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Brauchen wir Kubernetes? Wahrscheinlich nicht.

Die Frage kommt fast immer, nachdem ein Dienstleister es vorgeschlagen hat. Die kurze Antwort lautet: Wenn Sie fragen müssen, brauchen Sie es vermutlich nicht. Die lange Antwort ist interessanter – vor allem, weil die Kosten nicht dort liegen, wo alle hinschauen.

Was Kubernetes eigentlich löst

Kubernetes ist ein Verwaltungssystem für Anwendungen, die in vielen kleinen Teilen laufen. Es sorgt dafür, dass von jedem Teil immer genug Kopien laufen, verteilt sie auf verfügbare Maschinen, startet abgestürzte neu und tauscht bei einer Aktualisierung Stück für Stück aus, ohne dass der Betrieb stehenbleibt.

Das ist eine beeindruckende Leistung – und die Lösung für ein Problem, das entsteht, wenn man hunderte solcher Teile hat, die von mehreren Teams unabhängig voneinander verändert werden. Genau dafür wurde es gebaut, in Unternehmen mit entsprechender Größe.

Die entscheidende Frage lautet nicht „ist Kubernetes gut?“, sondern „habe ich das Problem, das es löst?“ Bei drei Anwendungen und einem Entwicklerteam von zwei Personen ist die Antwort nein. Dann bezahlen Sie die Lösung, ohne das Problem zu haben.

Die Kosten, über die im Angebot nichts steht

Der Betrieb eines Clusters ist nicht das Anlegen eines Clusters. Was danach dauerhaft anfällt:

  • Aktualisierungen. Kubernetes-Versionen werden in einem Takt abgelöst, der ein bis zwei größere Aktualisierungen pro Jahr erzwingt. Jede davon ist ein Projekt, kein Wartungsfenster – mit der realen Möglichkeit, dass etwas nicht mehr läuft.
  • Zertifikate und Netzwerk. Die interne Kommunikation, die Verteilung von Anfragen, die Absicherung nach außen – all das ist konfigurierbar und muss konfiguriert bleiben.
  • Fehlersuche. Wenn etwas nicht funktioniert, ist die Frage nicht mehr nur „was macht die Anwendung falsch?“, sondern zusätzlich „was macht die Plattform?“. Sie haben eine zweite Fehlerquelle eingeführt, für die es im Haus keine Erfahrung gibt.
  • Personalabhängigkeit. Der teuerste Posten. Sie brauchen dauerhaft jemanden, der das kann – und diese Menschen sind teuer, gesucht und selten in einem Betrieb mit 40 Mitarbeitern zu halten.

Die Infrastrukturkosten eines kleinen Clusters sind überschaubar. Die Betriebskosten sind es nicht, und sie erscheinen auf keiner Rechnung, sondern im Kalender Ihrer Leute.

Die drei Bedingungen, unter denen es sich wirklich lohnt

Meine Faustregel: Es müssen mindestens zwei von drei erfüllt sein.

  1. Sie betreiben mehr als etwa zehn eigenständige Dienste, die getrennt veröffentlicht werden. Darunter ist der Verwaltungsaufwand größer als der Gewinn.
  2. Mehrere Teams arbeiten unabhängig voneinander und sollen sich nicht gegenseitig blockieren. Bei einem Team ist das kein Vorteil, sondern eine zusätzliche Schicht.
  3. Sie haben bereits Menschen im Haus, die es beherrschen – nicht „wir bilden dann jemanden aus“. Diese Ausbildung ist real und dauert Monate.

Was die Alternative ist

Für die allermeisten mittelständischen Anwendungen genügt eine der folgenden drei Formen, und alle drei sind deutlich einfacher zu betreiben:

FormPasst, wenn …Betriebsaufwand
Ein bis zwei gemietete Server, klassisch betrieben die Last konstant ist und sich fachlich wenig ändert niedrig, gut verstanden
Verwalteter Container-Dienst des Cloud-Anbieters Sie Container wollen, aber keinen Cluster betreiben möchten niedrig bis mittel
Serverlose Ausführung (Funktionen, verwaltete Datenbank) die Last schwankt stark oder es gibt lange Ruhephasen niedrig, dafür andere Denkweise

Warum es trotzdem angeboten wird

Selten aus Böswilligkeit. Drei nachvollziehbare Gründe:

  • Kompetenzaufbau. Für einen Dienstleister ist Ihr Projekt auch eine Gelegenheit, Erfahrung aufzubauen, die sich beim nächsten Kunden verkaufen lässt. Das ist menschlich verständlich und wird trotzdem von Ihnen bezahlt.
  • Man baut, was man kann. Wer seit fünf Jahren Cluster betreibt, sieht überall Cluster-Probleme. Das ist keine Unehrlichkeit, sondern eine Berufskrankheit – ich habe sie auch.
  • „Zukunftssicher“ ist ein Verkaufsargument, das niemand widerlegen kann. Es klingt verantwortungsvoll und ist unüberprüfbar. Fragen Sie deshalb nach einer Zahl: Ab welcher Nutzerzahl oder welchem Datenvolumen wäre die einfache Lösung am Ende? Kommt darauf keine konkrete Antwort, war es kein Argument.

Ein Satz, den Sie im nächsten Gespräch verwenden können: „Skizzieren Sie mir bitte auch die einfachste Lösung, die unsere Anforderungen erfüllt – und schreiben Sie dazu, was uns der Unterschied im Betrieb pro Jahr kostet.“ Ein guter Anbieter liefert das. Ein sehr guter hat es ungefragt dabei.

Zweitmeinung vor der Entscheidung

Beim Architektur-Review schaue ich mir die vorgeschlagene Lösung an und sage Ihnen, ob sie zu Ihrer tatsächlichen Größe passt – schriftlich, verständlich, mit Alternativen und deren Betriebskosten. Ab 3.900 €.

Für eine einzelne Entscheidung genügt oft die technische Sprechstunde für 390 €.

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