Mein Bewerbertag “Technical Decision Day” bei Accenture

Heute möchte ich euch einen Einblick in meinen “Technical Decision Day” (TDD) bei Accenture geben. Es existieren im Internet verschiedene Berichte aus verschiedenen Zeiten. Teilweise treffen diese Aussagen zu, teilweise sind diese veraltet. Ich kann nur über meinen Tag berichten und weiß nicht, ob zukünftige TDDs ähnlich ablaufen. Ein ähnlicher Beitrag vom März deckt sicher allerdings sehr gut mit meinen Erfahrungen. Durch das lesen von zu vielen, verschiedenen Berichten ist am Ende unklar was man überhaupt glauben soll und man ist noch nervöser als vorher, dadurch erreicht man also genau den gegenteiligen Effekt. Ich habe alles in allem ca. 1 Stunde mit der Recherche über den TDD, Accenture, etc und Vorbereitung verbracht, das waren für mich genügend Informationen und ich habe mich nicht verrückt machen können. Ob das alles geholfen hat oder nicht erfahrt ihr am Ende des Artikels.

Am 12.07.2010 habe ich mich also bei strahlend schönem Sommerwetter in dem gewünschten “klassischen Business Look” auf dem Weg zu Accenture nach München gemacht. Die S- und U-Bahn war zum Glück ausreichend klimatisiert, sodass das Deo nur in der Tram und dem Bus zeigen musste, was es konnte. Pünktlich, eine halbe Stunde vorher, habe ich das Gebäude von Accenture erreicht, wurde freundlich empfangen, bekam erste Getränke (sehr vorteilhaft bei dem Wetter Icon Wink in Mein Bewerbertag Technical Decision Day bei Accenture ) und gesellte mich zu den anwesenden Bewerbern. Ziemlich schnell habe ich versucht ein Gespräch mit den anderen Bewerbern aufzubauen, um einerseits zu erfahren mit wem ich es zu tun habe und andererseits kann man sich dann nicht mehr darauf konzentrieren nervös zu sein. Das Bewerberspektrum war breit gestreut von Absolventen über Young Professionals bis zu Personen mit mehreren Jahren Berufserfahrung die umgeschult haben.

Pünktlich um 10 Uhr wurden wir abgeholt. Zu diesem Zeitpunkt gab es schon erste Verluste. 8 von 10 eingeladenen Bewerbern waren anwesend. Einer Bewerber kam verspätet, sodass wir insgesamt 9 Bewerber waren. In einem wohl temperierten Besprechungsraum wurden wir nett begrüßt und gleich mit dem wichtigsten vertraut gemacht

  • Hier herrscht das “Du” (Bisher hat wohl noch keiner dem Angebot widersprochen, wenn du der erste warst, teil mir bitte die Reaktionen mit Icon Smile in Mein Bewerbertag Technical Decision Day bei Accenture )
  • Ihr könnt heute Abend alle mit einem Vertrag heimgehen, es kann aber auch keiner einen Vertrag bekommen

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde ging es dann direkt in die Gruppenaufgabe zu der wir in 2 Gruppen geteilt wurden. Das letzte Release eures Projektes verursacht Fehler. Sehr detaillierte Informationen blieben aus, außer das der Projektmanager in 45 Minuten erscheint und Ergebnisse präsentiert haben möchte. Jeder Teilnehmer musste ein Teil des Ergebnisses präsentieren. Während der Gruppenarbeit wollte ich nicht im Hintergrund untergehen, sodass ich mich mit meiner offenen Art (wohl etwas zu stark) in den Vordergrund gestellt habe und das ganze (leider etwas zu viel) koordiniert habe. Nach 45 Minuten betrat der Projektmanager den Raum, begrüßte uns auf Englisch und wollte in gleicher Sprache die Ergebnisse präsentiert haben. Wie gut das ich vorher recherchiert habe, da war die Überraschung nicht ganz so groß, aber ihr dürft ruhig überrascht tun. Der Projektmanager hat versucht die Präsentierenden in die Ecke zu treiben, indem er Informationen haben wollte, die uns nicht zur Verfügung standen bzw. die nur durch handeln unsererseits mit dem Kunden (den es nur auf Papier gab) erhältlich gewesen wären.

Nach der Gruppenaufgabe folgte die Einzelaufgabe “Wissenstransfer”. Jeder Bewerber bekam ein verschiedenes Modell. Man hatte 20 Minuten Zeit das Modell zu verstehen und sich Notizen zu machen. Das Modell musste man auf eine konkrete Situation projizieren und dadurch einem “Kollegen” beratend zur Seite stehen. Diese Kollege war leider nicht immer sehr einsichtig bzw. kooperativ für Lösungsvorschläge. Nochmal zur Erinnerung, wobei es eigentlich allen klar sein sollte: Ihr präsentiert dem Kollegen das Modell, dann redet bitte auch mit diesen und schaut diesen an. Erzählt es nicht euren Notizen oder dem Flipchart.

Nun war es mittlerweile 13:00 Uhr und wir haben uns in die provisorische Kantine verlagert. Diese war leider nicht so gut klimatisiert wie der Besprechungsraum. Die Kantine war mit Bierzeltgarnituren mit Lederüberzug ausgestattet, was sogar recht nobel aussah. Der Tisch war schon mit Servietten und Besteck gedeckt und die Tageskarte lag am Tisch. Als Vorspeise gab es zur Auswahl Paprikaschaumcremesuppe oder Fleischsalat. Dem folgte laut Karte wahlweise gebackener Cambert oder Farfalle mit Bolognese und als Dessert wurde Obstsalat gereicht. Nachdem ich nun wusste, was es zu essen gibt, wollte ich zur Ausgabe gehen, um mir mein Essen zu holen. Ich wurde jedoch zurück gehalten mit der Bemerkung “Die Bedienung kommt gleich.”. So war es dann auch. Die Bedienung hat die Bestellung aufgenommen, wobei uns mitgeteilt wurde, dass Cambert aus war. Mittlerweile hatte sich auch ein Kollege von Accenture, der angeblich nichts zu Entscheidung beiträgt, zu unserer Gruppe gesellt, um uns ein paar Fragen direkt von der Front zu beantworten. Wenn er gewusst hätte das ich mit so vielen Fragen da gewesen wäre, wäre er bestimmt nicht freiwillig gekommen Icon Razz in Mein Bewerbertag Technical Decision Day bei Accenture . In der Gruppe wurde dann schon diskutiert, dass es nur gut ist, dass es Farfalle und keine Spaghetti gibt, weil sich diese immer sehr gut auf weißen Hemden machen. Wie es Murphy so wollte, wurden natürlich prompt Spaghetti mit Bolognese serviert. Dieser Umstand ist zwei Teilnehmern zum Verhängnis geworden.  Während des Mittagessen haben sich die HRler zur Beratung zurückgezogen und wollten uns um 14:00 in unserem Besprechungsraum wieder aufsuchen.

Bis kurz vor halb drei haben wir dann in dem Besprechungszimmer gewartet und dem Mitarbeiter fragen zum Unternehmen und Co. gestellt. Dann wurde unser Gespräch unterbrochen und vier von uns sollten mitkommen. Diese vier kamen nach kurzer Zeit wieder, nahmen ihre Sachen und gingen. Danach wurden die restlichen Bewerber nach und nach zu Einzelinterviews gebeten. In diesen ging es darum seinen Lebenslauf und seine technischen Erfahrungen kurz darzustellen. Alles in allem eine nette Gespächsatmosphäre ohne fiese Fragen. Ein Teil musste ein Koordinatensystem mit den Achsen Zeit und Erfolge/Prägung ausgefüllt werden. Dies fand ich einen interessanten Ansatz und auch als Bewerber recht angenehm. Vorallem konnte man, wenn man wollte, auch Zeiten vor dem Abi einbeziehen. Ich persönlich habe durch “Storytelling” versucht Prägungen aus der Kindheit mit einzubeziehen. Jeder der sich in diese Richtung interessiert kann ich folgendes Buch empfehlen in dem solche und ähnliche Methoden gezielt aufgezeigt werden Du bist, was du zeigst!: Erfolg durch Selbstinszenierung. Nachdem ich mich zu meinem Lebenslauf geäußert habe, wurde gefragt, wie ich denke, dass mich die Beobachter am Vormittag erlebt haben. Mit meinen Vermutungen extrovertiert und präsent lag ich nicht ganz falsch. Mir wurde bestätigt, dass ich die Gruppe vorwärts gebracht habe, wobei ich jedoch extrem darauf achten müsse nicht zu dominant zu sein und die Gruppe zu “unterdrücken”.

Nachdem das Einzelinterview vorbei war folgte noch eine gefühlte Ewigkeit bis die anderen Bewerber aus ihren Gesprächen zurück waren. Nun wurde eigentlich damit gerechnet, dass wir noch einen Multiple-Choise-Test in dem jeweiligen Gebiet Java/SAP machen müssten. Nach fast einer Stunde warten und dem Mitarbeiter fragen stellen, sickerte durch, dass es keinen Test mehr geben würde und der erste wurde zum Ergebnisgespräch gebeten. Wieder waren 2 Gruppen von HRler vorhanden, wie bei den Einzelinterviews, sodass im 2 Bewerber gleichzeit ihr Ergebnis mitgeteilt bekommen. Der erste Rückkehrer hat leider negative Nachricht erhalten, die folgenden kamen mit einer schönen Ledermappe in der Hand zurück (hat ungefähr die gleiche Bedeutung, wie das Foto bei Heidi Klum Icon Wink in Mein Bewerbertag Technical Decision Day bei Accenture ). Ich war der letzte der zum Gespräch geordert wurde. Ich konnte nicht einordnen, ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen war. Nachdem ich das Büro betreten hatte erblickte ich auf dem Tisch eben diese begehrte Ledermappe. Also entweder hatten sie zu viele von diesen Mappen oder ich sollte wirklich einen Vertrag bekommen. Zu meinem Glück war letzteres der Fall. Ich sei aber ein Bewerber mit viel Diskussionbedarf gewesen. Dies hat vorallem aus zwei Punkten resultiert. Zum einen die Dominanz in der Gruppenarbeit, zum anderen meine lockere, freche Art, die zwar gerne gesehen ist bei Leuten, die diese Art verstehen, aber gefährlich bei unbekannten Personen, sowie Kunden, werden kann.

Zum Abschluss des Tages ging es gegen kurz nach 18 Uhr im schwarzen Anzug durch das noch immer warme München zurück nach Hause, wobei ich sagen muss das Schwitzen hat sich gelohnt …

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